Nathalie Schynawa
ICEUS-Absolventin

Vom Masterstudium „Interkulturelle Kommunikation und Europastudien“ zur Arbeit in einer NGO für den Tropenwaldschutz – auf den ersten Blick wirkt dieser Weg vielleicht ungewöhnlich. In dem Team „Internationale Projekte“, in dem ich heute arbeite, ist mein Studienhintergrund tatsächlich eine Seltenheit: Viele meiner Kolleg*innen haben Biologie, Geographie, Forstwirtschaft oder andere umweltbezogene Fächer studiert. Entsprechend werde ich häufig gefragt, wie mein Studium zu dieser Tätigkeit passt.
Ein wichtiger Bestandteil meines Studiums war das EU-Recht, ein Modul, das mich besonders interessiert hat. In einem ansonsten sehr diskussionsorientierten Studiengang war es für mich eine spannende Abwechslung, mich rechtlich mit dem EU-System und faktenbasiertem Wissen auseinanderzusetzen. Auch meine Masterarbeit habe ich schließlich in diesem Bereich geschrieben. Dabei war es mir wichtig, nicht nur theoretisch zu arbeiten, sondern einen klaren Praxisbezug herzustellen. Deshalb kontaktierte ich verschiedene NGOs und Institutionen und habe nach möglichen Themen gefragt, die für ihre Arbeit relevant sein könnten.
Ein wichtiger Bestandteil meines Studiums war das EU-Recht, ein Modul, das mich besonders interessiert hat.
Über die NGO OroVerde – Die Tropenwaldstiftung ergab sich schließlich ein Thema, das mein Interesse sofort geweckt hat. Es ging darum, eine Analyse über den Beitrag von Holzzertifizierungssystemen und EU-Regularien für den Tropenwaldschutz durchzuführen. Auch wenn mit der Masterarbeit keine direkte Stelle verbunden war, bot mir der Kontakt zu OroVerde den Zugang zu wichtigen Expert*innen aus dem Feld für meine Leitfadeninterviews.
Nach meinem Masterabschluss arbeitete ich zunächst ein Jahr bei einer NGO, die im Rahmen des weltwärts-Programms internationale Freiwilligendienste organisierte. Als OroVerde später eine Stelle in einem Projekt, das sich mit einer neuen Verordnung für den EU-Holzhandel sowie weitere Rohstoffe befasst, ausschrieb, war mein Interesse sofort geweckt – und glücklicherweise erhielt ich die Zusage.
Seitdem arbeitete ich im Projekt „ELAN – Entwaldungsfreie Lieferketten, Aktiv für mehr Nachhaltigkeit“, das bis Februar 2026 lief. In dem Projekt unterstützten wir insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen bei der Umsetzung entwaldungsfreier Lieferketten. Während der Projektlaufzeit trat 2023 eine neue EU-Verordnung in Kraft, die Unternehmen verpflichtet nachzuweisen, dass bestimmte Rohstoffe – darunter Kaffee, Kakao, Soja, Palmöl, Holz, Rinderprodukte und Naturkautschuk – nicht mit Entwaldung oder Waldschädigung nach dem 31. Dezember 2020 in Verbindung stehen. Insbesondere für den Anbau dieser Rohstoffe wurden in den vergangenen Jahren große Waldflächen abgeholzt.

In dem Projekt kommt mein Studienhintergrund der Europastudien zum Tragen: Die Arbeit mit diesem speziellen EU-Rechtstext, Leitlinien und politischen Prozessen ist ein zentraler Bestandteil meiner Tätigkeit. Neben der Analyse der Verordnung und ihrer Umsetzung geht es auch darum, politische Entwicklungen auf EU-Ebene zu verfolgen, denn die Regelung wurde in den letzten Jahren mehrfach diskutiert und angepasst. Zudem arbeiten wir eng mit anderen Umweltorganisationen und Akteuren zusammen, um gemeinsame Positionen zu entwickeln.
Die Projektarbeit selbst ist sehr vielseitig. Zu meinen Aufgaben gehören unter anderem Vorträge und Präsentationen für verschiedene Stakeholder halten, der Aufbau und die inhaltliche Betreuung eines Informationsportals zu entwaldungsfreien Lieferketten, die Analyse und Erstellung von Leitfäden und Positionspapieren, die Organisation von Veranstaltungen und Webinaren sowie Berichte für Fördergeber verfassen. Gerade diese Mischung aus inhaltlicher Analyse und Vertiefung in bestimmten Themenbereiche, Kommunikation und Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Akteuren macht die Arbeit besonders spannend.
Für mich persönlich ist es sehr motivierend, sich intensiv mit einem Thema zu beschäftigen, das eine direkte Relevanz für den Umwelt- und Tropenwaldschutz hat. In den letzten Jahren habe ich zudem immer mehr erkannt, wie wichtig die Rolle von Nichtregierungsorganisationen in diesem Bereich ist – sei es bei der Vermittlung von Informationen zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft oder bei der Entwicklung konkreter Lösungsansätze.
Auch nach dem Ende des ELAN-Projekts arbeite ich weiterhin bei OroVerde zu entwaldungsfreien Lieferketten in einem neuen Projekt. Der Fokus liegt nun stärker auf dem Finanzsektor: Ziel ist es, Handlungsempfehlungen und Positionspapiere zu erarbeiten, die Finanzinstitutionen dabei unterstützen, Entwaldungsrisiken in ihren Kredit- und Investitionsentscheidungen besser zu berücksichtigen.
Mehr Informationen zu dem ELAN-Projekt finden sich unter https://www.regenwald-schuetzen.org/projekte/forschung-und-studien/aktuelle-highlights/entwaldungsfreie-lieferketten und dem dazugehörigen Informationsportal www.entwaldungsfreie-lieferketten.de.
